Das Espresso-Syndrom
Falsch verstandene Kundenbegeisterung führt zu Leistungsinflation

Expresso-Syndrom

Die Geschichte:
Peter A. unterhält eine Café-Bar im Zentrum der Stadt C. Er hat davon gehört, dass Kundenzufriedenheit nicht genügt. Er möchte das Konzept der Kunden-begeisterung umsetzen und etwas tun, um sich von der Konkurrenz abzuheben.
Aus diesem Grund serviert er zu jedem Espresso nicht nur ein Glas Wasser, sondern auch ein Gipfeli gratis dazu. Schnell hatten sich die Kunden an dieses Plus gewohnt. Wenn sie einmal kein Gipfeli bekamen, fragten sie: „Warum gibt es heute kein Gipfeli?“
Also, sagte sich Peter A., muss ich noch mehr tun, und er servierte zu jedem Espresso nicht nur ein Glas Wasser, sondern ein ganzes Frühstück, alles zum Espresso-Preis, versteht sich. Sehr schnell gewöhnten sich die Kunden an dieses gute Angebot. Als er aufhörte, zum Espresso ein ganzes Frühstück zu offerieren, fragten sie: „Warum gibt es kein Frühstück mehr?“ und wechselten die Café-Bar.
Sie gingen dort hin, wo sie zum Espresso neben einem Glas Wasser und einem ganzen Frühstück gratis auch noch die aktuelle Tageszeitung bekamen.
„Diese Idee der Kundenbegeisterung ist völliger Mist“, sagte Peter A, „sie führt dazu, dass die Kunden immer anspruchsvoller werden, und sie ruiniert mich letztendlich.“

Was läuft hier falsch?
Peter A. hat das Konzept der Systematischen Kundenbegeisterung falsch verstanden. Statt auf der Beziehungsebene einen bleibenden Mehrwert zu schaffen, hat er für das gleiche Geld immer mehr Leistung geboten.
Dadurch hat er die Kundenerwartungen nach oben geschraubt und einen Preiskampf begonnen.
Er hat sich auf der Ebene geirrt: Statt auf der Begeisterungsebene nachhaltige Kundenbindung zu generieren, hat er auf der Leistungsebene eine ruinöse Angebotsinflation betrieben.